| Bewegungslernen im Reitsport - Einfluss aLeistungsniveau & -fähigkeit des Reiters Claus Chmiel | |
Claus Chmiel ist Diplom-Sport-wissenschaftler, Lehrbeauftragter an der Deuteschen Reitschule (Warendorf), war viele Jahre Mitglied der Prüfungs-kommission für Reitlehrer und arbeitete als Sportlehrer an der Sportschule der Bundeswehr und im Olympiastützpunkt des DOKR (Warendorf). Er ist Autor ver-schiedener Fach- und Lehrbücher, sein neuestes Buch lautet „Der konditionsstarke Reiter“.
Reiten bedeutet Interaktion – auf eine Aktion erfolgt immer eine Reaktion. Rei-ten ist auch Teamsport, d.h. auf ein gut trainiertes Pferd gehört ein exzellent vor-bereiteter Reiter, um ein optimales Er-gebnis zu erzielen. Im Spitzensport gängige Praxis, vermisst man im Brei-tensport häufig die erforderliche Fitness und Kondition des Reiters. Die Ursache für eine Disharmonie wird meist beim Pferd gesucht. Der Lehrgang hat diese Lücke ein wenig gefüllt und das Erforder-nis für Ausgleichssport, systematische Gymnastik und gezieltes Konditions-training gezeigt. Um den Anforderungen an den Reitsport zu genügen, sind Kraft, Ausdauer, Gleichgewichtsgefühl, Balance und Koordination für Sitz und Einwirkung von grosser Bedeutung. Das Entdecken und Erkennen der eigenen Körperhaltung und der Bewegungsmuster sind eine wesentliche Voraussetzung für besseres Reiten.
Der Lehrgang begann am ersten Tag mit einem Vortrag über Ursache und Wirkung eines schlechten Sitzes. Der Grund für schlackernde Beine beispielsweise ist häufig im Nacken zu suchen, der häufig bereits durch sog. Entblockungsübungen abgestellt werden kann.
Um ein Gefühl für seinen Körper zu be-kommen und evtl. Probleme durch ge-zielte Übungen abstellen zu können, ist ein wenig Hintergrundwissen über den eigenen Körper von Vorteil: Beispiels-weise ist die linke Gehirnhälfte für die rationale Informationsverarbeitung zu-ständig, sie reagiert auf verbale Infor-mationen, speichert Daten, denkt logisch, analysiert scharf – während sie weniger für Bewegungen zuständig ist und daher auch beispielsweise keine Musik in Bewegung umsetzen kann. Die rechte Gehirnhälfte ist künstlerisch–musisch veranlagt, kontrolliert die Koor-dination i.w.S., stellt den visuellen Speicher dar und ist für Gefühlsregungen verantwortlich. Mit der rechten Gehirn-hälfte kann der Körper bewusst wahrge-nommen werden.
Neben dem Wissen über Art und Form der Informationsverarbeitung im Kopf sind auch die Kenntnisse über die Vor-gänge im Körperinneren von grossem Vorteil, möchte man für sich ein besseres Bewegungsgefühl entwickeln:
· Der Körper reagiert auf die Bewegung des Beckens.
· Die aufrechte Haltung steigert den körpereigenen Energiefluss.
· Der Kopf führt, der Körper folgt.
· Gleichgewicht entsteht aus dem Gesamtspannungsverhältnis der Muskulatur.
· Der Kopf wirkt auf die Elastizität der Wirbelsäule.
An den zwei Folgetagen erfolgten im Wechsel praktische Übungen auf dem Pferd und am Boden. Am ersten Tag wurde für jeden Teilnehmer ein Sitzprotokoll angefertigt. Auf dieser Basis wurde in Folge dann an den Defiziten der Teilnehmer gearbeitet – ob im Rahmen von Gymnastikstunden oder am Abend bei der sogenannten Führpferdearbeit: Immer wieder erlebten die Teilnehmer sog. „Aha“-Effekte, weil der Körper auf einmal viel besser zu funktionieren schien als sonst.
| Was der Richter sehen will! Kriterien einer professionellen und erfolgreichen Turnierteilnahme Dr. Dietrich Plewa | ![]() |
Dr. Dietrich Plewa ist Rechtsanwalt und ehemaliger Landestrainer der Dressur-reiter in Baden – Württemberg, erfolg-reicher Turnierreiter, Inhaber des Gol-denen Reitabzeichens und international tätiger Dressurrichter. Er reitet seit 50 Jahren. In seiner reiterlichen Laufbahn hat er, neben der Ausbildung zahlreicher Grand Prix Pferde, bisher mehr als 150 S-Siege zu verzeichnen. Er ist bekannt durch eine Vielzahl von Veröffent-lichungen zu vielfältigen Themen, u.a. aus den Bereichen Pferdesport und Pferderecht.
Fokus dieser Veranstaltung war es vor allem, die Anforderungen an Pferd und Reiter für eine erfolgreiche Teilnahme an Dressurprüfungen der Klassen L – S vor-zustellen. Weil Defizite in der Ausbildung deutlich schwerer wiegen in der Bewer-tung einer Dressurlektion als technische Fehler, wurden typische Probleme im Rahmen einer Vorführung demonstriert, kommentiert und Korrekturansätze auf-gezeigt. Aber nicht nur die Durchführung des eigentlichen Rittes, sondern auch die professionelle Vor- und Nachbereitung einer Turnierteilnahme zählen zu den wichtigen Kriterien, soll die Turniersaison erfolgreich sein. Nach dem Grundsatz „Nach dem Turnier ist vor dem Turnier!“ sind die Erfordernisse einer selbst-kritischen und umfassenden Analyse not-wendige Voraussetzung für die Opti-mierung des zukünftigen Trainings und des damit verbundenen Turnierauftritts.
Laut LPO sind Richter Sachverständige – inwieweit dies Wunsch oder Wirklichkeit ist, sei vorerst dahin gestellt. Der Anspruch an den Richter lässt sich auf drei Aussagen reduzieren:
· Das Vorhandensein einer definierten Kompetenz des Richters muss gewährleistet sein.
· Richte das, was Du siehst – nicht das, was Du gesehen oder gehört hast!
· Der Richter muss dem Vertrauen in eine objektive und sachgerechte Benotung entsprechen.
In L- und M-Dressuren sind Wertnoten von 5,5 bis 7,5 gängige Praxis. Dabei ist zu beobachten, dass – so selbstver-ständlich sich das im Moment auch an-hört – der Durchschnitt deutlich stärker vertreten ist als die überragende Leis-tung. Die Note hat dabei ausschliesslich eine Aussagekraft für den tagesaktuellen Leistungsstandard. Das Training und die Leistung zu Hause oder auf dem Abreite-platz kann selbstverständlich nicht be-rücksichtigt werden. Dies wird jedoch gerne übersehen, wenn die Einsicht-nahme der Prüfungsprotokolle bzw. eine Kommentierung der Richterbewertung erfolgt. Die Basis für eine akzeptable Be-notung in dieser Grössenordnung ist die Grundlagenarbeit. Deshalb können einzelne technische Fehler eher ausge-glichen werden im Rahmen einer Prüfung als Grundlagendefizite. Wird beispiels-weise „nur“ eine Grundgangart als „nicht befriedigend“ vom Richter im Aufgaben-protokoll bewertet, kann die Gesamtnote der Prüfung max. 6.0 betragen. Werden bereits zwei Grundgarten als „nicht be-friedigend“ eingestuft, so liegt die Wert-note unter 5.0.
Schritt ist bis in die höchsten Klassen die schlechteste Grundgangart. Diese Ent-wicklung wird noch bestärkt in der Beobachtung, dass dem korrekten Schrittreiten inzwischen immer weniger Aufmerksamkeit gezollt wird – und somit auch im Trainingsfokus den geringsten Anteil aufweist. Und: Neben dem Galopp ist der Schritt die am schlechtesten zu korrigierende Grundgangart!
Knirschende, Zähne, Zungenspiel oder auch klappernde Lippen werden – nach subjektiver Einschätzung von Dr. Dietrich Plewa – nicht immer als negativ bewertet. Begründung: Besonders hoch im Blut stehende Pferde verfallen manchmal aufgrund ihrer hohen Nervosität in solche Verhaltensweisen, um die Anspannung zu kompensieren. Ob sich daraus Anlehnungsdefizite interpretieren lassen, ist jeweils von der aktuellen Situation bzw. dem Reiter – Pferd – Paar abhängig.
Immer wieder auffällig ist die offenbar fehlende Kenntnis der Prüfungs-teilnehmer über die Anforderungen der jeweiligen Klasse. Dies beginnt bereits in den Jungpferdeprüfungen, in denen junge Pferde ohne Tragkraft Mittel- oder Starken Trab zeigen trotz offensichtlich fehlender Rückenmuskulatur. Auch, dass Versammlung üblicherweise durch Kadenz gekennzeichnet ist, sollte allgemein bekannt sein – wird aber offenbar häufig mit „langsam reiten“ verwechselt. Takt und Losgelassenheit bleiben dabei häufig auf der Strecke.
Bei den Seitengängen wird im Rahmen der Grundausbildung häufig mit den schwereren Lektionen begonnen. Das Schulterherein als Grundlektion sollte sicher beherrscht werden, bevor die anderen Seitengänge trainiert werden.
Hierbei gilt grundsätzlich: Takt geht vor Biegung! Taktstörungen in den Seiten-gängen müssen nicht identisch sein mit Taktunreinheit in den Grundgangarten – dies sollte in der Bewertung durch den Richter berücksichtigt werden. Um Takt-störungen in den Seitengängen zu ver-meiden, werden für die tägliche Arbeit als Mittel der Wahl möglichst kurze Trainingsreprisen empfohlen. Auf diese Weise wird dem Pferd das Erhalten des Gleichgewicht erleichtert.
Neben dem Takt ist aber auch das Mass der Abstellung sowie das Mass der Bie-gung (Längsbiegung) wichtig: 4-6 Grad lässt sich die Rückenwirbelsäule maximal biegen, während die Halsbiegung maximal 35 Grad betragen kann.
Dies und weitere Ausführungen wurden in Theorie und Praxis erklärt. Bei der praktischen Demonstration in der Reit-halle wurden sechs Pferde der unter-schiedlichsten Rassen und mit unter-schiedlichem Ausbildungsniveau den Zu-schauern vorgestellt. Dr. Dietrich Plewa nahm sich für jeden Teilnehmer aus-reichend Zeit, betreute sowohl die Auf-wärm- als auch die Arbeitsphase jedes einzelnen Teilnehmers. Auf diese Weise konnte er für jedes Reiter–Pferd–Paar eine entsprechende, auch für den Zuschauer gut sichtbare Leistungskurve erarbeiten, auf deren Basis er Empfeh-lungen und Ratschläge für die zukünftige Arbeit zu Hause bzw. auf den Turnier-plätzen mit auf den Weg gab.
| Reiten in vollendeter Harmonie - Höchstes Ziel der klassischen Ausbildung! Christine Stückelberger | |
Christine Stückelberger muss man eigentlich nicht vorstellen. Die Grande Dame des grossen Dressursports hat neben ihrem Olympiasieg zahlreiche Schweizer und Europa-Meistertitel erritten. Ihre Karriere begann mit 19 Jahren in der Aachener Soers. Heute bildet sie erfolgreich Dressurpferde bis zur höchsten Klasse aus. Sie ist Vorsitzende von Xenophon, der Gesellschaft für Erhalt und Förderung der klassischen Reitkultur.
Christine Stückelberger hatte sich einen ehrgeizigen Tagesplan auferlegt. Anreise am ersten Tag der Veranstaltung, pünktlicher Beginn des Lehrgangs um 11:00 h vormittags. Am Abend dann ein Vortrag über die Geschichte der Dressur von Xenophon bis heute.
Jedem Teilnehmer standen 30 Minuten pro Tag zur Verfügung, um unter der professionellen und sehr engagierten Anleitung von Christine Stückelberger ein individuelles und lehrreiches Training zu erleben. Das Aufwärmtraining vor jeder Unterrichtseinheit erfolgte für jedes einzelne Reiter – Pferd - Paar ebenfalls unter ihrer Aufsicht. Das Niveau des Unterrichts richtete sich ganz nach den individuellen Erfordernissen des jeweiligen Teilnehmerpaares. Ehrlich, aber höflich vermittelte sie ihre Sicht und ihre Vorgehensweise bei der Ausbildung von Pferd und Reiter. Jeder konnte von den Erfahrungen einer Christine Stückelberger profitieren, ob nun als aktiver Teilnehmer oder „passiver“ Zuschauer
| Osteopathische Läsionen - Einfluss auf Bewegungsablauf und Gesundheit des Pferdes am Beispiel der Vorhand Michaela Wieland |
Michaela Wieland ist Physio- und Manualtherapeutin in der Humanmedizin. 2005 beendete sie eine zweijährige Weiterbildung am Deutschen Institut für Pferdeosteopathie (DIPO) zur Pferdeosteo- und –physiotherapeutin FN. Seit zwei Jahren hat sie sich ausschliesslich auf die Behandlung von Pferden spezialisiert. Michaela Wieland ist aktive Reiterin mit dem Schwerpunkt Dressur.
Verspannungen und Verkürzungen der Muskulatur sowie Gelenkblockaden können Folgen für den Bewegungsablauf und die Gesundheit des Pferdes haben. Michaela Wieland erklärte in ihrem Vortrag am Beispiel der Vorhand, welche Läsionen häufig vorkommen, wie sie ent- stehen und welche Auswirkungen sie auf die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden des betroffenen Pferdes haben.
Läsionen gehen immer mit Bewegungsverlusten einher. Läsionen aufgrund von Muskel- verspannungen, -verkürzungen und Gelenkblockaden sind – da bspw. auf Röntgenbildern nicht erkennbar – nur durch andere diagnostische Massnahmen zu lokalisieren – bspw. der Therapeutenhand in der Osteopathie.
Blockaden können entstehen durch die Erhöhung des Tonus’ zum Schutz der verletzten Glied- masse, durch Stress aufgrund vermehrter Hormonausschüttung und/oder Muskelver- krampfung oder auch durch mechanische Einwirkung, wie bspw. Festliegen, Sturz oder die falsche Anwendung von Hilfszügeln.
Verspannungen führen im Regelfall zu (erhöhten) Schmerzen, welche nachvollziehbar das Wohlbefinden des Pferdes schmälern und damit die Leistungsbereitschaft reduzieren. In der Folge kann die Durchlässigkeit des Pferdes abnehmen und – durch die Muskelanspannung – ein Sauerstoffmangel auftreten. Eine Fehlbelastung der betroffenen oder auch benachbarten Gelenke als Ausweichreaktion auf die Verspannung sind ebenfalls zu beobachten. In schwerwiegenden Fällen ist neben dem Bewegungsverlust eine Einschränkung der Organfunktionen durch die Beeinträchtigung der Nervenbahnen durchaus keine Seltenheit.
Eine Korrektur dieser Blockaden im Rahmen der Osteopathie kann durch sanfte Mobilisation und/oder Manipulation erfolgen, aber auch durch Muskeldehnung.
Das Hinterhaupt des Pferdes stellt eine sehr sensible Körperregion dar. Verletzungen dieser Problemzone können bspw. durch ein Aufhängen im Halfter, ein zu enges Halfter oder Genickstück oder ein zu enges Stirnband der Trense verursacht werden. Aber auch das Anschlagen des Kopfes, Störungen im Kiefer oder die Führung der Longe über das Genick des Pferdes können ursächlich für eine Läsion am Hinterhaupt sein.
Mögliche Folgen können sein: Das Pferd geht schlecht „durch’s Genick“, die Rückenlinie ist verspannt, es lässt sich nur (noch) schwer trensen und reagiert auf taktile Reize im Genick sensibel. Auch hier sind bereits Störungen im Organbereich denkbar – die sich bspw. durch unvorhergesehene Reaktionen des Pferdes äussern -, da Nerven vom Genick in verschiedene Bereiche des Pferderumpfes führen.
Eine falsche Beizäumung, aber auch eine falsche Aufrichtung oder das Reiten hinter der Senkrechten können die obere Halswirbelsäule beeinflussen. Dies kann sich u.a. äussern durch schwankende Bewegungen oder Kopfschlagen (gestörte Kiefermechanik). Evtl. ist auch das Biegen und Stellen des Pferdes nach rechts oder links nur eingeschränkt oder schlecht möglich.
Die untere Halswirbelsäule kann durch eine schlechte Hufstellung oder ein Reiten auf der Vorhand negativ beeinflusst werden. Die Folgen sind mögliche Verspannungen der Unter- halsmuskulatur (im Brustbereich). Dies kann aber auch durch den falschen Einsatz von Hilfszügeln und ein „zu eng machen“ im Hals, der sog. „Rollkur“ verursacht werden.
Wird bei einem Pferd Kurzatmigkeit, ein Leistungsabfall in der Ausdauerbelastung oder auch Rückenverspannungen festgestellt, ist auch eine Verletzung der fünften bis siebten Halswirbel denkbar. Als Folge sind bspw. Taubheit im Vorderbein, ein „Hängebein“ über dem Sprung oder auch Taktunreinheiten zu beobachten.
Bei einem empfindlichen Widerrist ist vor allem der Sattel auf Passgenauigkeit zu überprüfen. Aber auch ein Longiergurt kann Druckstellen und Verspannungen am Widerrist verursachen. Sog. „aufgekröpfte“ Pferde zeigen ebenfalls häufig Verspannungen im Widerristbereich. Früher häufig in den Pferdeställen zu sehen, heute glücklicherweise nur noch selten, sind die hoch an der Wand montierten Heuraufen. Auch diese Art der Futteraufnahme kann zu Schmerzen im Widerristbereich führen. Die Folge dieser Verletzungsart: Ein Aufwölben des Rückens ist schlicht nicht möglich, das Pferd kann aufgrund der Schmerzhaftigkeit nicht über den Rücken gehen.
Diese und weitere Themen waren Inhalt des Vortrags von Michaela Wieland. Der Vortrag wird voraussichtlich im nächsten Jahr auf der Reitanlage des Ausbildungsstall Grafenberg wiede
rholt.
Der Sattel - Beatrix Schulte Wien |
Am Donnerstag, den 27. September 2007 stellte Beatrix Schulte Wien auf der Reitanlage „Buocher Höhe“ in Remshalden im Rahmen eines interessanten Vortrags zum Thema „Der Sattel – Bindeglied zwischen Pferd und Reiter“ die Kriterien für einen passenden Sattel aus osteotherapeutischer Sicht vor.
Beatrix Schulte Wien ist Krankengymnastin, Sportphysio-, Manual-, Human- und DIPO Pferdeosteotherapeutin, aktive Dressurreiterin und Amateurreitlehrerin (FN). Seit 1975 ist sie als Krankengymnastin in eigener Praxis tätig, seit 1995 ausschliesslich als Osteotherapeutin. Sie gründete 1997 das Deutsche Institut für Pferdeosteopathie (DIPO) in Dülmen/Westfalen mit angegliedertem Dressurstall. Sie hat zahlreiche Publikationen veröffentlicht und Vorträge zum Thema "Pferdeosteopathie" gehalten. Sie ist Verfasserin des ersten Buches über Pferdeosteopathie. Schwerpunkt der praktischen Tätigkeit ist die Behandlung von Pferden und Reitern.
Was die alten Meister über den Sitz des Sattels gewusst haben, gilt auch heute noch: Schon der Musketier am französischen Königshof, Du Paty de Clam, schrieb vor über 200 Jahren, dass der Sattel dazu beitragen muss, die Schwerkraft des Reiters mit der des Pferdes in Übereinstimmung zu bringen. Er studierte dazu an Menschen- und Pferdeskeletten und setzte sich mit den Gesetzen der Mechanik und Physik auseinander. Für seine herausragenden Arbeiten wurde er in die Akademie der Wissenschaften und der schönen Künste in Bordeaux berufen. Auch die alten, deutschen Militärsättel basieren auf diesen Grundlagen. Ihre Oberlinie und Reitersitzpunkte entsprechen der Form des Pferderückens. Leider haben sich in den vergangenen Jahrzehnten Verschiebungen in der Sattelkonstruktion zum Nachteil des Pferdes ergeben.
Für die Beurteilung einer korrekten Sattellage ist das Verständnis von der Statik von Pferd und Reiter zwingend erforderlich. Nur wenn die Massenschwerpunkte dieser beiden Parteien in Übereinstimmung liegen, ist eine zwingende Voraussetzung für einen passenden Sattel erfüllt.
„Der Sattel bestimmt, wie und wo der Reiter getragen wird und mit welcher mechanischen Intensität dessen Aktionen und Reaktionen auf das Pferd übertragen werden.“
(Peter Menet)
Ausgehend von den anatomischen Gegebenheiten, wie dem Skelett, aber auch anhand des Nervensystems, der Blutbahnen und der Muskulatur des Pferdes zeigt Beatrix Schulte Wien, warum es nur eine Passform für einen Sattel geben kann – nämlich die des zum Pferdrücken passenden Sattelbaums. Die Form des Sattelbaums muss der Oberlinie des Pferdes entsprechen, damit die Konturen der Sattelkissen präzise der Form des Pferderückens folgen können. Die Wahl des Sattelbaumtyps hängt allein vom jeweiligen Pferd ab. Nicht passende Sattelbäume können NICHT durch eine entsprechende Polsterung korrigiert werden!
Auch die Weite des Sattelkanals ist von Bedeutung: Der Minimalabstand zwischen den beiden Sattelkissen muss auf der kompletten Sattellänge mindestens 7-8 cm betragen. Die Ortsspitzen des Sattelbaums dürfen nie nach vorne gerichtet sein, sondern müssen vertikal Richtung Boden zeigen. Andernfalls wird die Bewegung der Schulter erheblich eingeschränkt. Die Sattelkissen müssen von homogener, weicher Beschaffenheit sein, damit sie sich horizontal und lateral perfekt dem Pferderücken anpassen können. Nähte, Kanten und scharfe Abschlüsse dürfen das Pferd nicht berühren. Das Kopfeisen muss so geformt sein, dass es sowohl im oberen Widerristbereich als auch bei den Ortsspitzen hinter dem Schulterbereich genügend Bewegungsfreiheit bietet.
Auch die Gurtlage ist von immenser Bedeutung für die korrekte Lage des Sattels: Der Ansatzpunkt der Gurtstrupfen am Sattel sollte der Schwerkraftlinie des Reiters entsprechen. Eine Begurtung, die zu weit vorne ansetzt, drückt den Sattel im Zweifel auf die Schulter bzw. lässt eine entsprechend erforderliche Schulterfreiheit gar nicht erst zu. Ein zu weit hinten angesetzter Gurt bewirkt einen starken Druck der Sattelkisten in die Sattellage – die Kissen können sich förmlich in die Muskulatur bohren, der Muskel wird in seiner Arbeit eingeschränkt und kann dadurch nicht aufgebaut werden.
Die Vorhandlastigekeit des Pferdes
Die Vorhandlastigkeit des Pferdes dokumentiert sich durch das Reiten ohne Sattel – der Reiter wird deutlich nach vorne Richtung Widerrist gesetzt Daraus ergibt sich, dass der Reiter auf der Fläche direkt hinter dem Schulterblatt, die sog. Sattellage, am besten für das Pferd zu ertragen ist Die Vorhandlastigkeit und deren Folgen für das Pferd sind inzwischen auch durch Studien belegt worden: Es wurde festgestellt, dass Pferde in freier Wildbahn deutlich häufiger an Arthrosen der Vorhand leiden, als domestizierte Pferde. Dies belegt, dass die Arbeit mit dem Pferd immer die Aufrichtung aus der Hinterhand zum Ziel haben sollte.
Der weggedrückte Rücken – Ursachen und Folgen
Um das Hinterbein zum Durchschwingen unter den Schwerpunkt zu veranlassen, ist ein passender Sattel, aber auch ein korrekter Reitersitz von unabdingbarer Bedeutung. Ein Rücken, der sich nicht aufwölbt, kann keinen Spielraum für das Durchschwingen des Hinterbeins gewähren.
Die Folge eines weggedrückten Rückens sind Erkrankungen vielfältigster Art: Neben den inzwischen sehr bekannten und häufig auftretenden Kissing Spines sind auch überdehnte Bänder am Knie, Veränderungen am Sprunggelenk (Spat), Sehnenprobleme und Veränderungen an den Hufgelenken eine Konsequenz aus dem unzureichenden Training.
Der weggedrückte Rücken eines Pferdes ist deshalb so nachteilig, weil dadurch Auswirkungen auf die Anatomie und Haltung des Pferdes zu beobachten sind: Die Dornfortsätze können sich nicht aufstellen, sondern werden im Gegenteil stark gegeneinander geschoben. Das Hinterbein ist nicht in der Lage, nach vorne zu schwingen, sondern zeigt im Gegenteil eine Tendenz nach hinten. Der erste Halswirbel kann nicht mehr der höchste Punkt des Genicks sein, da der durchgedrückte Rücken ein Aufwölben des Halses verhindert („Flitzebogen-ähnliche Wirbelsäule“).
Aber nicht nur ein fehlerhafter Reitstil kann (alleiniger) Auslöser für die Rückenproblematik eines Pferdes sein. Ein falsch konstruierter, nicht nach dem Parameter der Gravitation konstruierter Sattel verursacht in der Mehrzahl der Fälle die meisten Sitzfehler in der Beckenpositionierung. Dies hat wiederum Auswirkungen auf die Händigkeit und Schiefe des Pferdes: Die Erfahrung zeigt, dass die Händigkeit von Pferden häufig durch die Händigkeit des Reiters verursacht wird. Die linke Spina eines typischen Rechtshänders liegt durchschnittlich 1-2 cm höher als die rechte Spina. Als Kompensation knickt der Reiter in der linken Hüfte unter gleichzeitiger Rotation des Beckens nach hinten. Die Folge: Der Sattel wird gegen die linke Seite der Wirbelsäule in Richtung rechtes Hinterbein gedrückt. Das Pferd wird auf diese Weise gezwungen, auf die rechte Schulter zu fallen und das linke Hinterbein zur Kompensation nach links zu bewegen. Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis: Nicht nur der Sattel allein kann für die Gehfreude eines Pferdes von immensen Einfluss sein, das Zusammenspiel von Sattel und Bewegungsgefühl des Reiters sind die massgeblichen Faktoren hierfür!
Ein weiterer, interessanter Aspekt, den es bei der Beurteilung eines Sattels zu beachten gilt, ist die Materialauswahl des Sattelbaumes: Bei einem Springsattel wird ein Kunststoffbaum nicht empfohlen, da dieser beim Absprung aber vor allem bei der Landung des Pferdes nachwippt.
Darüber hinaus geht Beatrix Schulte Wien in ihrem Vortrag auch auf unterschiedliche Füllmaterialien ein: Flexibles Füllmaterial wird aufgrund seiner Eigenschwingung als nachteilig eingeschätzt, da die Hilfengebung weniger präzise an das Pferd kommuniziert werden kann.
Der Vortrag „Der Sattel – Bindeglied zwischen Pferd und Reiter“ von Beatrix Schulte Wien wird am Donnerstag, den 22. November 2007 auf der Reitanlage des Ausbildungsstall Grafenberg bei Metzingen wiederholt.
Bewegt Euch, Ihr Reiter! Isabelle von Neumann - Cosel | |
Mit diesen Worten beginnt Isabelle von Neumann – Cosel ihren Vortrag zum Thema Sitz- schulung und Bewegungslernen.
Für das Erlernen von Bewegungen gibt es allgemeine Grundlagen, die sportwissenschaftlich belegt sind - und gegen die im Reitunterricht landauf, landab eklatant verstoßen wird.
Das grösste Missverständnis ist das Idealbild eines Sitzes, das durch starre Linien (etwa die Geraden Ohr-Schulter-Hüfte-Knöchel oder Ellbogen-Hand-Pferdemaul) und festgelegte Posi- tionen einzelner Körperteile (Der Absatz ist der tiefste Punkt des Reiters) gekennzeichnet ist. Isabelle von Neumann - Cosel möchte sensibilisieren und aufzeigen, wie wichtig die positive Verstärkung bei der Vermittlung von Lerninhalten ist und wie wenig sinnvoll die Korrektur einer Lektion durch einen Abgleich mit dem Idealbild ist: Jede Abweichung gilt als so genannter Sitzfehler. Allerdings ist das Aufzeigen von Fehlern ein denkbar ungeeigneter Weg, um Be- wegung zu lernen und zu lehren.
es benötigt „nur“ eines gut ausgeprägten Gleichgewichtssinns. Balance bedeutet, sich richtig zu bewegen – nicht, sich nicht zu bewegen! Diese Aussagen zeigen, dass die Balance und die Stabilität des Oberkörpers das „A“ und „O“ beim Erlernen des Reitsports sind!
(Udo Bürger)
Die Vorstellung über das „Reitenlernen“ relativiert sich über die Zeit: Zu Beginn sind Reit- anfänger der Meinung, dass der Reitsport eine (schnell) zu erlernende Sportart wäre. Im Laufe der Zeit wird man jedoch feststellen, dass der Vorgang des Reitenlernens nie abgeschlossen sein wird. Durch die Zusammenarbeit von Mensch und Pferd ergeben sich tagtäglich neue Herausforderungen, die im Zweifel mit dem bisherigen Wissen oder den bisher erlernten Fä- higkeiten nicht zu lösen sind.
Ein weiterer Aspekt des Vortrags von Isabelle von Neumann – Cosel ist der eher statische Sitz, der in der klassischen Reitlehre vermittelt wird. Sobald der Reitersitz im Rahmen der Be- wegung mit dem Pferd umgesetzt werden soll, ergeben sich häufig Koordi- nationsschwierigkeiten. Vernachlässigt wird hierbei jedoch recht häufig, dass der Reiter auch einen „Platz zum Sitzen“ finden muss, besser noch, dass das Pferd dem Reiter diesen förm- lich anbieten sollte. Kommt der Reiter nicht zum Sitzen – bspw. aufgrund extrem schwung- voller Bewegungen – dann kann auch der motivierteste und fähigste Reiter keinen harmo- nischen Ritt zeigen.
Ein statischer Sitz in möglichst stiller Haltung bewirkt eine beständige Muskelanspannung. Wie ermüdend die Aufrechterhaltung einer solchen Sitzposition ist, ist leicht nachvollziehbar. Ein Wechsel von Muskelan- und –entspannung erleichtert hingegen die Einhaltung einer Grundposition.
Die Durchführung grosser Bewegungen erleichtert das Bewegungslernen ebenfalls. Durch die zunehmende Anzahl an Übungen verfeinert sich die jeweilige Bewegung automatisch.
Die kognitive Beteiligung des Gehirns an den Bewegungsabläufen ist stärker als bisher ange- nommen. D.h. das Unterbewusstsein speichert den Ablauf einer Bewegung, die wir unbe- wusst und reflexartig bei Bedarf abfragen. Dies verdeutlicht auch, warum die Vorstellung über den korrekten Ablauf einer Bewegung zu besserem Reiten führen kann – mentales Training ist also ein weiterer wichtiger Aspekt für das Erlernen des korrekten Bewegungsmusters.
Aber auch die sog. „Bewegungserfahrung“ ist ein zwingend erforderlicher Baustein im Konzept des Bewegungslernens. Nicht ohne Grund wird der altbewährte Spruch so häufig strapaziert, dass ein junger bzw. unerfahrener Reiter auf ein erfahrenes Pferd gehört. Nur ein gut ausge- bildetes Pferd vermittelt die Bewegungserfahrung in Form korrekter Lektionen und Übungen.
Aber nicht nur junge Reiter verfügen über weniger Reiterfahrung, auch Spät- oder Wiederein- steiger zeigen Defizite in der Bewegungserfahrung. Bewegungen zu automatisieren ist jedoch kein Problem des Alters des betreffenden Reiters, sondern nur eine Frage der erforderlichen Wiederholungsfrequenz, mit der die Übungen durchgeführt werden. Hier sind bei Bedarf mehrere Wiederholungen nötig, wo junge Reiter weniger Übungseinheiten bedürfen. Die positive Verstärkung erleichtert hierbei die Vermittlung von Lerninhalten.
Darüber hinaus gilt: Kein Körper ist genau wie der andere, und jede Bewegung ist indivi-duell geprägt – auch der Sitz des Reiters. Das einzigartige Bewegungssystem eines jeden Reiters gilt es zu verstehen, um sinnvolle Anleitungen zur Verbesserung zu geben.
Zahnprophylaxe und -pflege beim Pferd Thomas Bader | |
Ca. 90 % aller Pferde haben Zahnprobleme. In freier Wildbahn regulierte sich der Zahnabrieb durch die Aufnahme von Schleifpartikeln wie Sand und Steine. Mit zunehmender Domestikation und moderner Pferdehaltung wurden dem Pferd fast alle selbstregulierenden Massnahmen genommen. Durch die fehlenden Einsatzmöglichkeiten der Schneidezähne ist die kontinuierliche Abnutzung der vorderen Zähne nicht mehr ausreichend gewährleistet, während die Backenzähne durch die Fütterung von körnerhaltiger Nahrung stärker abgenutzt werden. Kanten und Haken – verbunden mit weiteren Symptomen - können entstehen. Dabei sind schiefe Zähne nur ein sehr offenkundiges Merkmal für das Erfordernis einer Zahnbehandlung. Weitere Kennzeichen für Zahnprobleme können u.a. sein: · Trainingseinschränkungen und nachlassende Rittigkeit · Mangelhafte Futteraufnahme und Verdauung · Schlechter Allgemeinzustand · Verhaltensanomalien, etc. Unter diesen Aspekten zeigte Thomas Bader seinen Zuhörern, warum Pferdezahnpflege so wichtig ist und erklärte das „ABC der Pferdezahnpflege“ sowohl anhand von Bildmaterial als auch anhand eines Pferdeschädels. Das erforderliche Equipment als auch die Behandlungsalternativen wurden im ersten Teil des Vortrags vorgestellt. Besondere Aufmerksamkeit wurde auf die Vor- und Nachteil elektrischer versus manueller Raspeln gelegt. Erstere bewirken bei zu langem Einsatz eine Erwärmung der Zähne, die nur durch eine integrierte Wasserkühlung vermieden werden könnte. Zu lange Schneidezähne können zu einem veränderten Biss und in Folge davon zu einer Veränderung im Kaufverhalten des Pferdes führen. Durch die veränderte Winkelung der Vorderzähne können die Kauflächen der Backenzähne nicht mehr oder nur noch unter erhöhtem Kraftaufwand aufeinandertreffen. Dieser erhöhte Kraftaufwand bewirkt eine permanente Belastung der Kiefergelenke und -muskulatur, die wiederum Einfluss auf die Rittigkeit des Pferdes haben wird. Durch diesen Zirkelschluss wird deutlich, wie eng Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit des Pferdes zusammenhängen - und wie schnell ein vermeintliches Leistungstief des Pferdes nur allein durch ein Zahnproblem ausgelöst werden kann.
Im zweiten, dem praktischen Teil der Veranstaltung, wurde an einem ausgewählten Pferd der Ablauf einer Untersuchung am Pferd demonstriert Der Status der Zahngesundheit und die Diagnosefindung waren wichtigster Bestandteil der praktischen Vorführung. Eine eigentliche Behandlung fand nicht statt, weil hierfür eine Sedierung des Pferdes unter tierärztlicher Aufsicht erforderlich ist, um auch die hintersten Backenzähne stressfrei für das Pferd behandeln zu können.
